Ambivalenz und Architektur: Jacques Herzog über eine lebenslange Freundschaft und die Frage, was Räume mit uns machen
Shownotes
Host und NZZaS-Kulturredaktor Peer Teuwsen trifft Jacques Herzog, den weltberühmten Basler Architekten und Mitbegründer von Herzog & de Meuron, dem Büro hinter der Elbphilharmonie, der Tate Modern und dem Olympiastadion in Peking. Herzog erzählt, wie er mit sechs Jahren in der Primarschule Pierre de Meuron traf und nie wieder losliess, warum er Chemie studierte, bevor er zufällig zur Architektur kam und weshalb er sich bis heute schwertut, sich schlicht als Architekt zu bezeichnen. Es geht um das erste Projekt, das blaue Haus in Oberwil mit seinen schielenden Bullaugen, um die Frage, wie eine Tür mehr als nur ein auf- und zugehen sein kann, und um den Unterschied zwischen Ambivalenz und Ideologie. Dazu: Servietten-Skizzen als Glücksmomente, Le Corbusier als warnendes Beispiel, und warum das Zeitalter des Stararchitekten vorbei ist. Und: Jacques Herzog verrät seinen bescheidenen letzten Wunsch.
Gast: Jacques Herzog, Architekt und Mitgründer von Herzog & de Meuron
Host: Peer Teuwsen
Produktion: Danielle Basler, Ellie Media
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Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wird präsentiert von Tvernbold Reisen, ihre Nummer eins für Veloferien mit E-Bike und E-Mountainbike.
00:00:08: Ich denke Architektur überlebt in der Zukunft so wie wir sie verstehen wenn da Mensch in der Art, wie er jetzt ist, überleibt.
00:00:16: Wenn wir natürlich diese Emotionalität oder diese sinnlichen Dimensionen verlieren oder aufgeben die werden dann verschwenden.
00:00:26: Herzlich willkommen zu NCZ Weekend, dem wöchentlichen Podcast der NCZ am Sonntag.
00:00:31: Mein Name ist Pierre Teufsen und ich bin verantwortlich für den Kulturteil der NC Z am Sonnentag.
00:00:37: Er ist einer der berühmtesten Architekten in der Welt.
00:00:40: Er hat hier mit Pierre Dumerin in Basel das heute weltweit bekannte Büro Herzog und Dumeron gegründet.
00:00:48: Mittlerweile arbeiten fast sechshundert Menschen dort.
00:00:51: Jacques Herzog hat die Kone entworfen – das Olympia-Stadion In Beijing, die Elbphilharmonie in Hamburg.
00:00:58: Die Tate-Morten in London.
00:01:00: Nur ein paar wenige
00:01:01: zu nennen.
00:01:01: Das alles
00:01:02: weiß man.
00:01:03: Es ist bemerkenswert genug.
00:01:06: Heute aber wollen wir über etwas sprechen das weniger bekannt ist Über seine Anfänge Über lebenslange Leidenschaft Pläne Neugierde.
00:01:15: Wie wurde Jacques Herzog?
00:01:17: Wer er heute mit siebenzig Jahren ist?
00:01:20: Dafür sind wir nach Basel gefahren und sein Büro.
00:01:23: Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen.
00:01:25: Erhärtzuck!
00:01:27: Staunen Sie manchmal was aus Ihnen geworden ist?
00:01:33: Ich staune einfach das etwas da ist... ...das wir überhaupt da sind und Jettrich werde noch mehr eigentlich wie die Zeit vergeht und wie man seine Zeit verbringt eigentlich und wie eigentlich die meisten Menschen so auch ich eigentlich etwas braucht dass mit dem man eigentlich diese Zeit misst oder diese Zeit ausfüllt.
00:02:04: Und in meinem Fall ist das natürlich ein Sektur und Sie erwähnen, dass ja schon seit vielen Jahren nun eine Energie da ist und eine Leidenschaft auch welche das antreibt und diese Tätigkeit eigentlich fortsetzt und fortschreibt.
00:02:24: Über
00:02:26: diese Energie
00:02:27: staunen Sie?
00:02:28: Ja, ich überstahne überhaupt das.
00:02:30: Da ist es... Ich freu mich natürlich auch manchmal, wie wär's wenn ich das gar nicht mehr machen würde?
00:02:37: und ich fleurte auch mit dem oder Kokettiere mit diesem Gedanken.
00:02:42: Brauche ich das eigentlich, weil ... Und das tönt vielleicht Paradox!
00:02:48: Ich möchte dass die Sachen unheimlich gut werden, unheimliche neu in wirklich von Neugierde getrieben, was ist eigentlich Architektur?
00:02:58: Das ist das, was mich immer angetrieben hat.
00:03:00: Deshalb ist die Architektor auch immer anders jedes Projekt und immer so dass ich denke, so hat es das noch nie gegeben.
00:03:09: Das treibt nicht irgendwie an zu einer Art Rest von Avantgarde Und gleichzeitig denke ich auch Es interessiert mich gar nicht So besonders.
00:03:19: Also eigentlich finde ich Architektoo an sich nicht so spannend.
00:03:26: Ich habe ja auch nie groß geschaut, was andere machen weil es mich einfach nicht interessiert und mein eigenes Zeug oder unser eigenes zeug muss sich anschauen, weil ich muss das auch verantworten.
00:03:38: Weil dass es ein ganz klar Architektur ist im Gegensatz zu Kunst etwas das nicht nutzlos ist sondern das eigentlich den Auftrag geben kann zum konkreten Mehrwert bringen.
00:03:55: Ja klar, es ist ja dann einfach da und man muss damit leben.
00:04:00: aber jetzt haben sie gesagt Sie kockiertieren mit dem Gedanken das nicht mehr zu machen.
00:04:06: was wäre denn
00:04:07: dann?
00:04:07: Ja das ist interessant.
00:04:08: aber eigentlich genieße ich es einfach auch in der Tram zusetzen und rauszuschauen oder auf den schluss zu schauen hier im Basel an einem subyro.
00:04:19: wir sprechen unmittelbar am rein.
00:04:24: Es wäre ein interessantes Experiment, wie man das aushält.
00:04:30: Ich mache ja auch gerne sehr viel Sport und es hilft natürlich auch, dass er auch so eine Tätigkeit, welche die Zeit verstreichen lässt.
00:04:37: aber im Gegensatz zu Architektur machen ist natürlich Sport schon intensiver mit dem Körper und der Körperwahrnehmung unmittelbar verbunden.
00:04:46: Das heißt es ist mehr etwas wo der Blick nach außen auch gerichtet ist.
00:04:54: Der Blick ist nicht sehr nach Außen gerichtet, wenn man intensiv an einem Projekt oder einer Sache arbeitet.
00:05:00: Es gibt ja dann immer Architektur, das ist ja so etwas Großes im Sinn von so vielen Menschen beteiligt, dass diese ganzen Sitzungen und das ganze Zeug, das habe ich ja nie eigentlich groß gemacht aber da sind ja auch Momente und Orte, wo Menschen dann tätig sind und sind dann irgendwie gefangen in all diesen... zwängen, wo die es braucht damit überhaupt Werke entstehen.
00:05:27: Jetzt war's ja nicht in ihrer DNA festgeschrieben dass sie Architekt werden würden.
00:05:33: Sie haben sich am Anfang auch für Naturwissenschaften interessiert.
00:05:37: was ist denn da passiert?
00:05:38: Also
00:05:38: ich wusste gar nichts von Architektoo weder in meiner Familie noch von Pierre.
00:05:44: gab das da irgendeinen Spur.
00:05:47: und tatsächlich habe begonnen Chemie und Biologie zu studieren, habe mich in der Uni Basel ein geschrieben.
00:05:54: Ich wollte aber auch Künstler werden.
00:05:57: Und die Neugierte war sicher das treibende Element.
00:06:06: Als ich mich entschieden habe, dass die Biologie und die Chemie aufzugeben nach wenigen Monaten Studium, habe ich mit Pierre telefoniert und er war ja dann in der Rekrutenschule, was ich vermieden hatte damals.
00:06:25: Und haben uns dann ausgetaut.
00:06:27: Wie einem Sinn von?
00:06:31: Ich konnte mir nichts vorstellen eigentlich.
00:06:36: Das war auch eine ganz andere Zeit.
00:06:37: da war natürlich das Verweigern von Dienst und das verweigeren überhaupt vom herkömmlichen Denken.
00:06:44: sagen wir es alle intellektuellen oder so, haben dieses Thema mit sich rumgeschleppt und wir haben dann gesagt ja Architektur ist etwas wo man ein bisschen von allem braucht.
00:07:02: Es ist ein bisschen Kunst, es sind ein bisschen Sprache, es ist ein wenig Mathematik, Physik all die Dinge die uns eigentlich mehr oder weniger Interessierten, wo wir auch gewisses Talent hatten schon in der Schule.
00:07:17: Und so haben wir dann gesagt okay lass uns das machen.
00:07:20: Pierre wollte eigentlich ein Genieur werden damals und wir haben dann ja unser Führer entschieden und tatsächlich hat es dann noch nach einigen Semestern Schwierigrenzsemesteren am Anfang.
00:07:35: vielleicht hat das dann geklappt.
00:07:37: irgendwie
00:07:37: aber gehen wir nochmal zurück.
00:07:38: ich meine sie Pia Döberhorn Sie haben sich mit sechs Jahren Primarschule, in der ersten Klasse der Primarsschule kennengelernt und sie haben ihn ein Leben lang nicht mehr verloren.
00:07:50: Kann man eigentlich sagen Sie hätten zusammen entschieden das was Sie jetzt gerade erzählt haben?
00:07:53: Sie hätten zusammenschieden dass Architektur das spannendste ist was sie sich gemeinsam vorstellen können?
00:08:00: Ja irgendwie so.
00:08:01: ja wir haben das natürlich nicht so ausgedacht.
00:08:03: Wir hatten noch nie einen Plan dass wir gemeinsam quasi durchs Leben gehen.
00:08:09: Dann
00:08:10: wäre es wahrscheinlich auch nicht passiert, oder?
00:08:11: Genau!
00:08:13: Das ist so gewesen... Wir waren zufällig in der gleichen Primarschulklasse und dann ... Der nächste Schritt war ja das Gymnasium und da landeten wir wieder in der gleichen Klasse Und das sind dann acht Jahre früher, weil es acht Jahre unterstufe und dann oberstufte.
00:08:30: Ja je vier Jahre, das war im Stück acht Jahren gleich ein Schulhaus.
00:08:35: Ein sehr schönen Schulhaus muss ich sagen.
00:08:37: Wo war
00:08:39: das?
00:08:40: Heute heißt das... Das war das Reall Gymnasium mit Latein und aber auch mit Naturwissenschaften.
00:08:50: dann gab es das humanistische, wohl noch griechisch aber keine Mathematik.
00:08:54: Aber was
00:08:56: war so
00:08:57: schön?
00:08:58: Das
00:08:58: waren Gebäude aus den fünftiger, sechziger Jahren von Bernoulli und das wussten wir natürlich nicht, aber das hat uns gefallen, dass war so als Beton sich Beton aber so einem neoklassischen Stil.
00:09:12: Hans-Bernoulli ist ein berühmter Architekt der dreißigere Jahre genau der die Bernoullihäuser und das war auch so einen Zufall.
00:09:20: Wir haben es nie gedacht, das ist eine tolle Architektur.
00:09:23: Das wollten wir auch mal machen und das hat überhaupt keine Rolle gespielt.
00:09:26: Aber Sie haben sich wohlgefühlt?
00:09:27: Wir haben uns wohl gefühlt ja.
00:09:30: Zur Zeit, als wir noch im Gymnasium waren, zur Zeit von Mathura war Architektor überhaupt kein Thema bei
00:09:36: uns.
00:09:37: Sie haben ja schon mit Lego, also so habe ich das gelesen, mit Lego und Mechano haben sie zusammen eigene Welten errichtet Häuser Schiffe achte Ja, ja.
00:09:48: Das steht... Also das Rettrospektiv kann man sagen und das würde ich auch schon ein paar Mal gefragt.
00:09:55: die Frage wie kommt das alles so?
00:09:57: Wenn ich zurückschau ich habe ihren Bruder eine Schwester und ich hab schon ganz andere Neigungen gehabt als Kind Und ich habe zum Beispiel meine Schwester.
00:10:07: Ich habe auch Puppen gemacht und für sie Die Puppenstube eingerichtet.
00:10:13: Ich habe Kasperlefiguren gebaut, auch das Theater dafür und die Kinder da auf der Straße unterhalten mit solchen Dingen und dafür Sachen gebaut.
00:10:25: Das sind halt so im kleinen Maßstab, im kleinen Rahmen aber ... Es wird mir bewusst, dass das natürlich eine ganz andere Neigung ist.
00:10:37: Dass mein Bruder der still war und er lieber gelesen hat.
00:10:40: Und fotografiert?
00:10:42: Ja, fotografiert hat er nicht aber er war halt eher ein stiller Mensch und in seinen Büchern während ich überhaupt eigentlich quasi nie etwas gelesen habe In meiner Kindheit.
00:10:57: Das sind ganze andere Neigungen.
00:11:01: So eine Selbstanalyse habe ich ja nie wirklich gemacht.
00:11:05: Aber das stimmt schon.
00:11:06: Das sind die von Nina angesprochenen Achterbahnen, das haben wir gesehen da auf der Herbstmesse in Basel und das hat uns unheimlich umgetrieben.
00:11:16: Ich hatte die Himalaya umgetrieben vor allem die Idee dass das ja im Kreis rumgeht und gleichzeitig aber auch hoch und runter.
00:11:25: und dann habe ich mir gedacht, wiss das überhaupt möglich?
00:11:27: Dass sich das so nach oben bewegt und gleichzeitig im Krei Solche Themen haben uns schon beschäftigt und dann haben wir das zum Teil nachgebaut, so Zeug haben ja schon gemacht.
00:11:41: Kann man eigentlich sagen Sie hätten ein Leben lang gespielt?
00:11:46: Ich weiß auch nicht ich bin... Das Spielen sagt natürlich nicht zu was im herkömmlichen Sinn
00:11:54: Aber was ist denn das?
00:11:55: Ich weiss auch nicht was es ist.
00:11:58: Also das Spielen im Sinn von wirklich Spiele machen Das hat mich nie interessiert, höchstens Fußball.
00:12:05: Also nicht so Brettspiele?
00:12:06: Ja, Brettspiele und so... Nein aber ich meine das Spielen überhaupt, das Homoludens.
00:12:15: Aber als Kind oder?
00:12:17: Dieses Selbstvergessene, das kennen sie ja offenbar auch.
00:12:22: Ich war eher ungeduldig und wollte verstehen wie das geht ... basteln, verabschieden.
00:12:29: Das habe ich nie gemacht!
00:12:30: Ich hab zum Beispiel die Puppen... Die Kleider für die Pappen meiner Schwester, die habe ich aus Papier gemacht und habe sie zusammengeleimt damit es möglichst schnell geht.
00:12:39: Und das ist... Noch heute oder später, wenn wir etwas machen in einem Modell habe ich das ganz schnell zusammengeheft und Pierre ist viel eher jener der sich ganz sorgfältig betreut macht.
00:12:57: Das ist natürlich ein wichtiger Teil unserer Sektur.
00:13:01: Der Entwurf kommt von ihm und er musste das dann fertig machen.
00:13:05: Also ist ein bisschen so dieses Ausklügel und das Weitertreiben, das kam häufig von Pierre und das ist ja auch etwas wo man dann etwas lernt weil die das Materialisieren einer Idee und dass das ausführen und das habe ich dann später erst gelernt als Architekt zwingt dich ja auch wieder, ständig eine Innovation zu machen und schenkt noch etwas beizufügen was es dann noch besser macht.
00:13:33: Weil sonst könntest du ja in einer rein virtuellen Welt leben und die Idee ist alles.
00:13:38: aber die Idee braucht neue Ideen um dann wirklich...
00:13:43: Vormand zu nehmen?
00:13:45: Ja und diese Wirklichkeit zu werden!
00:13:46: Und das ist glaube ich auch etwas dass Architektur wirklich unterscheidet von Kunst und anderen Formen Kulturform.
00:13:55: Es muss bis zum letzten stimmen, weil es unser Maßstab ist.
00:14:00: ein Buch ist nicht unser Maßsterb eine Musik auch nicht und auch ein Bild oder eine Skulptur häufig nicht.
00:14:09: aber Architektur ist etwas das wir begehen dass wir umschreiten und das überall komische Ecken und Fragen aufwirft.
00:14:17: und wenn die nicht auch durchgedacht sind Dann ist es Scheiße, auf Deutsch gesagt.
00:14:25: Also dann stimmt das nicht.
00:14:26: und...
00:14:27: In der Horror jedes Architekten wenn man die Klos vergessen hat oder?
00:14:30: Ja ich meine klar du musst eine Tür auf- und zu machen können, das ist ein selbstverständlich aber dann fängt sie erst an.
00:14:38: wie kannst du diese Tür so machen dass sie mehr ist als nur eine Tür?
00:14:43: Das verlangt der Kunde nicht.
00:14:46: Aber was wir wollten war immer einen zusätzlichen Wert.
00:14:54: Es ist wie etwas, das dir als Mensch der die Tür benutzt noch etwas dazugibt.
00:15:04: Soll dir Freude machen?
00:15:06: Soll ein Vergnügen sein oder soll anders sein wenn du den Türgriff aufmachst?
00:15:11: Machst du die Tür nach links und rechts auf?
00:15:13: Das sind alles... die den Menschen in einen Raum hineinführen.
00:15:19: All diese Themen sind unglaublich faszinierend und wichtig, aber sie sind schwierig!
00:15:25: Sie erfordern unheimlich viel Zeit-Energieaufwand immer wieder eine kreative Anstrengung zu machen, die dann am Schluss gar nicht auffällt.
00:15:37: Es soll ja nicht Kreativität sein im Sinn von wow, schau mal wie toll ist das?
00:15:43: Sondern es soll etwas dir mitgeben, dass du nur unbewusst merkst.
00:15:48: Dass das irgendwie ein besserer
00:15:51: soll nicht blöffen.
00:15:51: Gab es eigentlich
00:15:54: einen Moment wo sie wussten Architektur?
00:15:59: Das ist jetzt
00:16:00: meins.
00:16:02: Das frag ich mich immer noch.
00:16:04: Ich kenne das auch wieder so kokettierend aber ich meine es wirklich.
00:16:10: es fällt mir schwer mich als Architek
00:16:14: Zu bezeichnen?
00:16:15: – Zu
00:16:15: bezahlen im Sinn von, ich mache jetzt einfach das.
00:16:18: Ich habe immer den Eindruck, dass sich Themen interessieren und solche Fragen überdiskutiert werden.
00:16:29: Viel eher als Architekt.
00:16:33: Das hat mich zum Beispiel gestört.
00:16:35: Früher, als wir zu den ersten Vorträgen eingeladen wurden, vor allem in Deutschland, hieß es immer Wir erlauben den Schakertzug zu einem Werkbericht ein.
00:16:46: Und dann habe ich immer gedacht, ich mache keinen Werkberichte.
00:16:48: Das ist so wie der Berufsstand, der jetzt berichtet aus seinem Alltag und das beantwortet vielleicht ihre Frage dass es fällt mir schwer mich eigentlich festzulegen und deshalb habe ich auch gerne Lösungen, architektonische Lösungen oder z.B.
00:17:12: Architekthonische Formen welche eine gewisse Ambivalenz haben das heißt dass sie quasi unterschiedliche Scheinungsformen hervorrufen.
00:17:22: Das tut jeder Gegenstand.
00:17:23: wenn du einen weißen Gegenstand im Licht hast dann ist wenn du das Licht veränderst scheint er anders.
00:17:30: aber es gibt schon Möglichkeiten.
00:17:32: Es gibt schon zeich mal in der Architektur gerade Menschen als Architekten die einer Form eher einen sich aufträngenden, eine Art Imperativ als Form.
00:17:48: Und ich denke da habe ich immer ein gewisser Scheu davor.
00:17:51: bis heute sogar bei sehr großen sichtbaren Gebäuden hat es diese fragende oder die formunterwandelnde Seite?
00:18:02: Genau!
00:18:03: Dann können wir eigentlich... Also in den Neunzehnundneunen-Siebzig haben sie das Blaue Haus in Oberwiel hier in der Nähe gebaut mit dieser charakteristischen Fassade, dieser blauen Fassad und den beiden Bullaugen die den Eindruck erwecken das Haus würde schielen.
00:18:19: Warum war dieses Projekt oder dieses
00:18:22: Haus
00:18:22: eigentlich so wichtig?
00:18:24: Es wird ja immer gesagt es ist ein bisschen
00:18:27: der Glutkern.
00:18:28: Also ich denke dass das Haus als das fertig war wurde das sehr weit publiziert weil es damals völlig neu war diese Art von Gebäuden.
00:18:42: Es ist ja eine sehr traditionelle Form und trotzdem hat sie auch etwas ambivalentes, das sei es etwas sehr fragiles.
00:18:51: dazu tragen verschiedene Elemente bei und daran um diese leichte verschieben aus der Achse eben natürlich habe ich an Shakthati gedacht, dort im Monogel.
00:19:02: Wo diese Augen da sind die durch das Bespiel also der Bewohnersteil nimmt es der Brune quasi so etwas Perfumatives, würde man heute sagen bekommen.
00:19:16: und das Blau hat mich interessiert weil das ist eigentlich das blau von Leaf Klein dass einfach so stark verdünnt ist, nach hellblau.
00:19:24: Das löst sich fast auf mit dem Himmel und wenn man's genau anschaut wurde der Farbauftrag nicht deckend gemalt, sondern mit einem ganz groben Pinsel.
00:19:34: siehst du, erkennst Du die Bruststrokes.
00:19:38: Die Pinselstruktur auch das verstärkt die Fagilität des Ganzen.
00:19:45: es hat etwas naives fast wie selbst gebastelt und ich denke dass eben diese unterschwelligen kleinen Abweichungen Absichtlich so gemacht, aber sie sind ... letztlich arbeitest du ja länger an einem Projekt.
00:20:05: Das ist nicht nur eine Zeichnung und das legst du dann irgendwann mal fest.
00:20:10: Dass er auch nicht so einfach als Architekt muss festlegen, dann wird es gebaut.
00:20:14: Und das haben wir in einem Moment quasi festgelegt, so soll es sein.
00:20:21: In dem Moment wussten Sie, dass es gut
00:20:23: war?
00:20:23: Ich denke, es ist so gut wie ich es damals konnte oder wie ich das denke.
00:20:28: Aber das ist immer die Frage und das ist vor allem auch etwas Belastendes als Architekt oder könnte es belasten sein wenn etwas fertig ist?
00:20:38: Das steht ja noch lange da und du gehst dann vielleicht irgendwie... Das steht
00:20:42: länger da als Sie am Leben?
00:20:44: Meistens
00:20:45: schon Und wenn man dann zurück geht und das Ist nicht gut merkt man das sofort, weil wenn du ein paar Jahre nicht mehr an einem Projekt bist hast du dich entfernt gedanklich.
00:20:57: Ist es wie im Fremdkörper und wenn dieser Fremddkörper scheiße ist zu Deutsch dann fällt das auf dich zurück.
00:21:05: Und das war eine frühe Erfahrung Das zu merken und auch in guten.
00:21:11: also Es gibt schon viele Sachen die ich gesehen habe wo ich denke das ist eigentlich gut aus der Zeitpunkt dass so zu lassen.
00:21:22: Aber es gibt natürlich auch Dinge oder Teile von Arbeiten, wo man sagt ja das hätte ich eigentlich anders machen sollen.
00:21:32: Und zum Glück sind
00:21:34: ... Sie sagen doch immer sie seien eine der nie zurückschaut?
00:21:37: Ja klar aber du gehst trotzdem irgendwann mal vorbei und musst zwangsläufig.
00:21:43: Wir waren kürzlich im Fotostudio, das ist ja kaum ein paar Jahre später zwei drei Jahre später Und das war sehr berührend.
00:21:53: Das war Pierre auch dabei, haben wir das angeschaut und gefällt uns wie das war.
00:21:59: Aber es ist natürlich so aus dieser Zeit ... Wir haben zu Beginn des Gesprächs über Alter gesprochen.
00:22:07: Ich könnte das nicht mehr so machen!
00:22:11: Ehrlich gesagt auch hoffentlich?
00:22:13: Nein, aber ich meine es ist auch interessant diese Feststellung.
00:22:17: Es gibt natürlich vielleicht Architekten die eher in späteren Jahren näher sind bei dem wir sie früher gemacht haben.
00:22:24: Bei uns verändert sich das so ständig dass die Frage wirklich ist aus welchen Grundbedingungen heraus, du dann gearbeitet hast in einem gewissen Zeitpunkt.
00:22:35: Da war es möglich aus diesem Denken und diesen Ingredients die da waren etwas zu machen und das könntest du heute nicht mehr.
00:22:42: Und zwar... Du könntest jetzt nicht mehr so machen dass ist im Guten wie im Schlechten oder du könntest es nicht mehr weil du einfach ein anderer Mensch geworden bist.
00:22:54: Würdestes heute anders machen?
00:22:56: Würdestest vielleicht auch gut machen Aber du kannst nicht zurück.
00:23:02: Von da gesehen ist Architektur auch interessant für einen Menschen, um zu begreifen wie eben die Zeit vergeht und zu begreifen, wie man sich weg bewegt von den Dingen.
00:23:15: Wie du dich von dir selbst wegbewegst zu ganz was anderem.
00:23:19: Und dann musst du gnadenlos ehrlich sein weil du erkennst sofort wenn du irgendwo nicht bei dir warst.
00:23:29: Wenn du irgendwo ein Betrüger warst, sag ich mal ...
00:23:34: Haben wir da einen Beispiel?
00:23:35: Nein!
00:23:36: Ich habe das für mich eigentlich... Ich habe immer gespürt wenn ich sage mal von Gedanken bedrängt wurde die nicht meine sind wo ich sage da hat der Architekt XY und hat irgendetwas gemacht.
00:23:51: Das gefällt mir eigentlich oder das war dann irgendwie vorhanden hab ich das eigentlich nie gemacht, weil es hat mich unfrei gemacht.
00:24:02: Und wenn dann heute aus heutiger Sicht man Dinge anschaut oder sage ich mal Dinge die sogar jetzt mit werfen sind sagen wir manchmal Leute bei uns partnern und so.
00:24:15: aber der stuhl der entweder das haus erinnert an das und dass Ich weiß nicht, weil ich das nicht mit Absicht mache.
00:24:25: Weil ich mich extrem wenig um andere Sachen kümmere und wenn das so ist dann mach' ich das auch frei von irgendwelchen... Und das spürst du am Schluss sogar, wenn es Analogien gibt oder gäbe!
00:24:39: Ist das wurscht?
00:24:40: Weil es ist getrieben von einer inneren Schärfe die klar ist und dass.
00:24:50: diese ganze Tatsache beschreibt eigentlich ziemlich gut, was meine Haltung ist nach der Tour und was mich dazu bringt so zu arbeiten, so radikal unabhängig im Kopf zu sein.
00:25:05: Wir sind gleich zurück!
00:25:08: Velo-Enthusiasten kommen bei Tvernbold ebenso auf Touren wie gemütliche Genussfahrer.
00:25:14: Auf verschiedenen E-Bike-Reisen kurven sie durch Europa und erleben Inseln Berge und Landschaften auf die bequeme Tour.
00:25:21: Alle Strecken sind rekogniziert und kompetente Guides, Top-Meatbikes und der Begleitbus von Tverrenbold sind immer dabei.
00:25:29: Tverenbold reisen die Nummer eins für Velo Reisen mit Schub.
00:25:35: Pierre Dümmeron sagt über sie, Jack ist mein bester Freund.
00:25:39: Ging das alles auch so gut weil Sie die Freundschaft zwischen Ihnen beiden ... Weil die immer wichtiger war als alles andere?
00:25:49: Die Freundschaft ist vor allem durch nichts getrübt und nicht zum Frage gestellt.
00:25:54: Ich denke, wir würden eher aufhören als ... als den anderen ... sag ich mal betrügner, den Rücken zu fallen.
00:26:05: Und das hat sicher damit zu tun, dass wir als kleine Kinder schon zusammen ... es gibt nichts, was ich ihm nicht sagen würde oder umgekehrt.
00:26:15: Deshalb ist es auch wichtig, dass ... wir beide in der Firma bleiben, auch wenn wir unterschiedliche Dinge machen und möglichst lange da drinbleiben.
00:26:26: Weil ich könnte zum Beispiel weiteren Projekten arbeiten aber ich hätte nicht das gleiche Gefühl weil ich weiß ja vom ganzen Office und dem ganzen Business von vielen Dingen weiß sich nichts was Pierre dann auf seine Art und Weise betreibt aber nie so dass ich denke das könnte für mich nachteilig sein.
00:26:49: Das ist nicht so, dass ich jetzt irgendjemand beschuldigen sollte... Genau,
00:26:52: es ist ein absolutes Vertrauen.
00:26:53: Es ist einfach ein Vertrauen und ich glaube jeder, der das kennt weiß wie viel Wert das ist, Vertrauen oder?
00:27:01: Aber
00:27:02: eben, das wussten Sie immer!
00:27:03: Das wollen sie nie gefährden.
00:27:04: Ja,
00:27:05: das ist eindeutig.
00:27:07: Sie haben ja auch beide unterschiedliche Herkünfte, wenn ich richtig
00:27:09: rieche.
00:27:09: Es isst auch so vielleicht, dass deshalb ich nie dachte, auch wenn ich viele entwürfe habe, quasi sind natürlich sehr stark von mir dominiert.
00:27:20: Nie hatte ich den Eindruck, dass ich auch den Anspruch oder auch den Eindrück, das sei jetzt Jacques Herzog.
00:27:27: Sondern es ist ... Das wiederfasst seine Scheu im Sinn von Ich möchte gar nicht so alleine für etwas verantwortlich sein Auch wenn es ja etwas kreatives und positives ist.
00:27:41: Es ist irgendwie interessant dass es heißt Herzog und Dömerung.
00:27:47: Das wussten wir aber auch nicht zu Beginn, das ist vielleicht auch fast eine Art Schutz den man hat um nicht allein in der Welt zu stehen.
00:27:57: Und ich glaube, ich hätte das nicht gekonnt, allein Architekt zu werden, alleine eine Firma zu gründen, allein zu glauben, dass das möglich ist in einer Welt die völlig fremd war.
00:28:11: Keiner von uns hat die Aspektur.
00:28:12: Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen mit Kleinbasel,
00:28:16: Pierre-Démoren aber nicht?
00:28:17: Pierre Démore hat eine noble Vergattung, er hatte akademischen Hintergrund in seiner Familie und bei uns war das ja nicht so.
00:28:25: ich komme aus dem klein Basel.
00:28:28: Mittelstand also eher schweigende Verhältnisse
00:28:32: unterer Mittelstand Ja
00:28:33: genau und es ist von da gesehen vielleicht die Idee dass man ne Firma baut oder gründen kann Die funktioniert ist noch leichter weg, aber wir haben uns die Frage nicht gestellt.
00:28:45: Im Nachhinein war vielleicht auch wichtig, dass diese unterschiedlichen Herkünfte vorhanden sind?
00:28:49: Total!
00:28:50: Und es hat mich fasziniert zu Pierre nach Hause zu gehen zum Spielen mit seinem Wälsch in Hintergrund und Pierre hat das gefreut, zu mir zu kommen weil natürlich bei uns war es lustiger vielleicht und etwas weniger förmlich Aber es war einfach anders.
00:29:11: und dieses andere, dieses Anderszahlen, diese andere Herkunft war wahrscheinlich für beide irgendwie anziehend.
00:29:20: Bei ihnen erstaunt nicht immer ihre Zielstrebigkeit, ihre Konstanz
00:29:24: auch
00:29:25: und ihre Hartnäckigkeit.
00:29:27: Sind das eigentlich Charaktereigenschaften die sie auch von ihren Eltern mitbekommen haben?
00:29:33: Nein mein Vater war eine eher zögerliche Berntin Im Söderisch Beamte, der eigentlich eher eingeschüchtert war und wahrscheinlich aus diesem Grund beamterblieber wohl.
00:29:47: er auf dem Finanzamt eine wichtige Stelle hatte im Steuerverwaltung.
00:29:52: Und fachlich offensichtlich sehr gut war.
00:29:56: wie mir Juristen also Leute die mit Steuerfragen zu tun haben später... Und mein Vater war ja zusammen mit Pierre.
00:30:05: Mein Vater hat Pierre geholfen, diese ganze Finanzbuchhaltung und die ganzen Themen auf dem Markt.
00:30:10: Er war lange bis weit, bis mit Achtzig und drüber war er eigentlich ... Hat der Pierre unterstützt?
00:30:17: Und hat den Pierre viel mehr bewundert als im Sinn von unterstützt als mich der quasi ein bisschen Unseriöse Zähne und Unserie.
00:30:28: Der unseriöser Sohn!
00:30:31: Ja, also das war ... Aber er hätte sich nie getraut, so etwas zu machen.
00:30:38: Und ich denke bei Piers' Familie war das unternehmerische auch nicht vorhanden.
00:30:44: Also wir gingen beide einen weiten Weg und vielleicht eben deshalb dieses Zusammen- Was
00:30:48: hat Ihnen Ihre Mutter mitgegeben?
00:30:49: Sie
00:30:50: ist... sie hat sicher eine ... großen Einfluss gehabt auf meine Faszination für Textil.
00:30:57: Sie war Schneiderin und ich hab ja eben auch mit Puppen diese Kleider gemacht, da habe ich mit ihr mehr zu tun gehabt.
00:31:06: Aber auch sie war eigentlich eine ... soll ich sagen, eine sehr zurückhaltende Person.
00:31:13: Wir haben ... Ja.
00:31:19: Vermissen Sie sie?
00:31:20: Sehr!
00:31:21: Ja... Ich vermisse nicht vermisse ... Das ist etwas zurückziehbar jetzt ein alter Mensch.
00:31:26: aber Ich vermisse noch immer, dass ich meiner Mutter und meinem Vater nicht die Hand halten kann.
00:31:35: Das ist wie ... Und die erscheinen auch immer wieder mal... In
00:31:41: Träumen?
00:31:42: In meinen Gedanken ja, mein Träum.
00:31:44: Dass sie nicht mehr da sind.
00:31:47: Ich denke für jeden ist es schwierig, die Eltern zu verlieren oder das kann sehr lange andauern bis man selbst alt ist.
00:32:00: Zeichnet sich also so eine unerbittliche Professionalität auch aus, finde ich.
00:32:06: Also das Büro jetzt und es ist in der Zeit... Wir leben in einer Zeit, die den Umweg, den Unterbruch, den Sabatical feiert und sie sind da einfach gradlinig... Natürlich gab's Schwierigkeiten, aber sie sind immer geblieben!
00:32:25: Sie haben einfach gemacht Und das ist für mich wie so ein bisschen an der chronisch schagtes Widerstand.
00:32:32: Ich denke jeder, der die Möglichkeit hat, so zu arbeiten, wie ich würde das machen.
00:32:38: Also ich habe jetzt nicht das außergewöhnlich empfunden... ...ich hab ja viele Freiräume und muss auch diese Freirräume nehmen dass ich nicht immer eingespannt bin und ich finde auch neue Formate oder neue Formen, wie die Partnerinnen und Partner mir die Projekte zuschicken zu welchem Zeitpunkt.
00:32:58: Und welche mehr Fokus haben, welche weniger Fokus.
00:33:03: da braucht es natürliche Anpassungen weil das ist klar du kannst nicht.
00:33:07: also ich werde auch nicht bis zum letzten Tag die gleiche Intensität haben.
00:33:15: Aber es ist wahrscheinlich schon so, dass ich als Architekt, wenn ich nicht trotzdem sagen möchte, ich möchte gar nichts mehr machen.
00:33:25: Wenn man gesund bleibt kannst du bis an den letzten Tag Architekten machen.
00:33:30: Diese konzeptionelle Thematik, diese kreativen Impulse, die fallen mir leicht.
00:33:38: Trotzdem im Rückblick von außen sieht das alles so leicht!
00:33:43: So erfolgreich, so hell aus.
00:33:47: Aber das ist dieses Ergebnis.
00:33:48: harte Arbeit oder?
00:33:49: Ja sicher!
00:33:50: Das ist aber ja bei jedem Beruf so... Aber es ist klar wie gesagt eine Architekturfirma hat ja so viele Menschen die da tätig sind und es gibt sicher viele die am Rand Arbeitsleistung, die überfordert sind.
00:34:11: Dass es nicht alle gleich privilegiert oder mit gleichen Talenten sind.
00:34:15: Die haben ganz unterschiedliche Aufgaben.
00:34:19: und aber ich kann ja nur für mich sprechen.
00:34:21: Für mich ist das wichtig dass ich immer wieder neu überlege wie viel kann ich machen was kann Ich mache?
00:34:27: nun bis jetzt Ist es gut Aber es gibt Tage wo ich mich denn den CLR überfordere.
00:34:33: Das merke ich natürlich Wie jeder ältere Mensch dass ich dann wie irgendwie ausranse.
00:34:41: Wenn wir heute jetzt zu lange sprechen, wird das auch bald eintreffen?
00:34:47: Deshalb können wir uns jetzt nicht endlos...
00:34:50: Aber Sie haben mir mal gesagt, Emotionen sind das Wichtigste im Leben!
00:34:55: Wie stellt man eigentlich emotionenarchitektonisch dar?
00:34:59: Also weiß ich so, wie ich das gesagt habe und ob es tatsächlich so... Ja, jedenfalls autorisieren!
00:35:10: Das Architektur natürlich insofern emotional wichtig ist, dass sie uns berührt.
00:35:18: Dass das Architektor nicht einfach nur funktioniert und quasi wie eine dreidimensionale Umsetzung ist eines gegebenen Programms sondern dass eben ein Programm mit Inspiration zu Architekten umgesetzt wird.
00:35:38: Und vielleicht ist Kreativität ja auch sehr stark mit emotionaler Energie verbunden.
00:35:45: Schon in deiner ganzen Entstehung einer Idee ist die Emotionalität vorhanden und, in unserem Fall haben wir immer gesagt, spricht seine Emotionalkeit, spricht sie den Menschen an, den Menschen in seiner Ganzheit?
00:36:00: Wir sind ja im Unterschied zu den Bots und diesen künstlichen Wesen, die immer mehr umsonst geben oder im gleichen Raum sich aufhalten, haben wir halt diese Sinne, die uns unterscheiden von künstlichen Wesen.
00:36:17: Und diese Sinne reagieren natürlich auf Emotionalität und sind zum Teil mit Emotionalitäten eng verbunden – das Tasten, das Lichen, das Sehen.
00:36:30: Die setzen mir als wichtige Mittellein Architektur anders zu machen oder besser zu machen.
00:36:40: Und das ist ja auch vielleicht die entscheidende Frage, überlebt Architektur in der Zukunft?
00:36:46: Ich denke, Architektor überleibt in der in der Art, wie er jetzt ist überlebt.
00:36:55: Wenn wir natürlich diese Emotionalität oder diese sinnlichen Dimensionen verlieren und aufgeben oder zu Twitter wesen werden dann wird die Architektur so wie wir sie verstanden haben Und wie sich die ganze historische Entwicklerarchitektu präsentiert auf dem Planeten.
00:37:10: Die wird dann verschwenden.
00:37:12: Dann wird das neues Kapitel passieren.
00:37:15: Das ist aber nicht absehbar im Moment.
00:37:18: Aber es ist eine interessante Vorstellung.
00:37:23: Wo, wie Architektur sich eigentlich selbst definiert.
00:37:27: Und das sind natürlich die meisten Dinge, die wir Menschen geschaffen haben, sind gemacht für den Menschen, so wir ihn heute kennen als fleichisches WS und quasi.
00:37:38: Und da ist klar, die Emotionalität ist
00:37:42: zentral.
00:37:43: Die schönsten Momente mit Ihnen sind immer wenn man in einem Restaurant ist.
00:37:49: dann beginnen Sie auf einer Serviette zu zeichnen.
00:37:54: Irgendeine Idee, einen Entwurf, ein Projekt an dem sie gerade sind.
00:38:00: Dann kommt dieser filigrane Strich, dieser Aufbruch, dann kommt diese Leidenschaft zum Ausdruck.
00:38:09: Wie erhält man sich eigentlich diese unbedingte Neugierde?
00:38:17: Das kann ich so nicht beantworten und es ist einfach so dass ich merke wenn... An einem Tag wo ich denke das sehe Projekt, dass ich überhaupt ein Projekt denke was ja nicht immer vorkommt und mir fällt etwas ein.
00:38:35: Das ist etwas irgendwie Beglückendes weil wahrscheinlich Weil du durch dieses Denken oder durch diese Inspiration also sei es nur eine kleine Gedanke eigentlich überhaupt er's lebst.
00:38:52: Oder das Leben ist unmittelbar mit diesem Funken verbunden, denke ich und deshalb macht es mich zufrieden.
00:39:02: Das sind Momente des Glücks oder?
00:39:03: Genau aber ich denke... Ich habe ja vorhin gesagt dass ich vielleicht auch ohne überhaupt ein Struktur leben könnte.
00:39:09: Ich denke diese Inspiration hat ja mit Remy Zauker die künstliche Wahrnehmung.
00:39:19: Damit meinte er die Kreativität in der Wahrnehmung jedes einzelnen Menschen.
00:39:25: Wenn du etwas anschaust, wenn du etwas erkennst überhaupt... Etwas zum ersten Mal siehst, obwohl du das schon so vielemal nicht angeschaut hast, wenn ich da zum Fenster rausschau und dich entdecke, dann mach mich das irgendwie glücklich auch!
00:39:40: dann lebe ich, weil eben mein Leben meine ... Da sind wir bei der Emotionalität oder bei der sinnlichen Wahrnehmung.
00:39:47: Weil ich etwas gesehen habe überhaupt dass etwas da ist das sich bewegt oder das anders ist oder dass ich zum ersten Mal wie so hab' ich das nie gesehen und ich glaube jeder Mensch kann diese Gefühle haben, kann das versuchen zu aktivieren.
00:40:05: Letztlich hat es auch mit dem häufigen, heute häufig verwendeten Begriff der Achtswandkeit zu tun.
00:40:13: Dass du spürst wie deine Füße am Boden sind.
00:40:16: Das spürt sie ja häufig nicht.
00:40:17: Auch wenn wir jetzt sprechen dann bist du wo ist dein Körper während du auf dem Stuhl sitzt und dich da?
00:40:25: Manchmal kommt es mir vor dass die Sprache dich in eine Art ... das Sprechen sag ich mal nicht die Sprach.
00:40:31: Die sprechen dich in einer Art Horizontale Lage versetzt.
00:40:38: Und das ist schlecht, weil du bist eigentlich vertikal.
00:40:41: Du musst mit der Schwerkraft nach unten am Boden sein und erst dann kannst du wieder etwas verkünden.
00:40:53: Kannst du wieder was deinem Gegenüber sein?
00:40:59: Das sind so die Grundpfeiler, die mich immer wieder... Wollen Sie mich immer wieder verwundert, wie sehr das einem immer wieder neu eben motiviert?
00:41:11: Und
00:41:11: Ihre permanente Unzufriedenheit.
00:41:15: Ja doch!
00:41:16: Das kann man schon glaube ich ein bisschen sagen.
00:41:17: Ich meine es ist auch schon erstaunlich dass sie in einem Land aufgewachsen sind wo die meisten Menschen eher ein bisschen weil halt viel Wohlstand vorhanden ist zur Selbstzufriedeheit neigen.
00:41:29: Sie sind
00:41:30: eigentlich selten zufrieden mit dem, was
00:41:32: sie tun.
00:41:34: Das schon so.
00:41:35: Mein Gebiet Architektur des Städtebaus habe ich völlig unschweiterische Bedürfnisse hier zum Beispiel in Basel.
00:41:43: Es ist eine trinationale, metropolitane Region und so hat es die Grenze.
00:41:46: Wieso?
00:41:47: Es sind nicht ganz überscheine Projekte schon längst im Alltag angekommen.
00:41:53: wie so gibt's das und jenes nicht.
00:41:55: Das ist ganz klar aber umgekehrt habe ich auch einen Respekt vor der Schweiz als so unglaublich gut funktionierendes Land im Alltag.
00:42:06: Nur wissen wir alle nicht, auch die Politikerinnen und Politiker rechts aus oder links aus oder in der Mitte weshalb es eigentlich so gut funktioniert.
00:42:17: und funktioniert es weiterhin gut wenn wir uns verändern sprich wenn wir mit Europa klare Verhältnisse eingehen.
00:42:27: Oder ist es einfach so, dass wir eigentlich schon immer zu allem Nein gesagt haben und das wir eigentlich weiterhin quasi dieses Inselhafte noch stärker haben wollen?
00:42:37: Es gibt auch viele die sagen der Volk... Der Schweiz ist, dass ihr eigentlich nicht regiert und nicht regieren wird.
00:42:46: Dass eigentlich nichts passiert!
00:42:48: Und diese Nichts passieren ist natürlich fundamental anders als mein Wunsch der Transformation.
00:42:55: Und ich sage aber aus diesem Erkenntnis oder dieser Unsicherheit, was wirklich richtig ist... ... bin ich eigentlich zufrieden?
00:43:05: Oder bin ich okay?
00:43:06: Ich habe eine unsere Friedenheit die nicht wirklich violent ist!
00:43:11: Ich würde es einfach anders machen.
00:43:13: Aber ich sag mich das soll so sein.
00:43:16: Das ist nicht möglich in der Schweiz.
00:43:19: Genau, aber das ist ein wichtiger Gedanke.
00:43:22: oder dass sie nicht sagen so soll es sein?
00:43:25: Dann ist ihnen nicht passiert was
00:43:27: zum Beispiel
00:43:28: wie sie passiert ist.
00:43:29: oder zum Ideologen und zum Anpasser.
00:43:34: Er hat sich überall angedient
00:43:36: um
00:43:37: irgendwie seine grüßenwahnsinnigen Ideen muss man glaube ich sagen durchsetzen und bauen zu können.
00:43:45: Le Corbusé ist ein Großarchitekt, aber ihm fehlt der Zweifel als Qualität.
00:43:53: Und in seinen besten Arbeiten wie Ronchon zum Beispiel hatte es eine gewisse Fragilität.
00:43:58: Aber ich war kürzlich in Indien, in Chandigar und habe diese ikonischen Architektur geschaut und ich fand das einfach nicht so gut.
00:44:09: Ich finde seine Schriften auch bedenklich, oder?
00:44:12: Aber das ist überhaupt schwierig.
00:44:14: Ich denke, theoretische Schriften von Architekten überleben eigentlich nichts.
00:44:18: Sie überleben als historische Dokumente aber sie überleben nicht in dem Sinn dass sie uns etwas sagen, dass wir weiterhin brauchen, wie logobisch sehr auch so... So belehrend sagte er, A-Tension Missiles Architekt.
00:44:33: Also quasi passt mal auf ihr Bürstenbänder.
00:44:35: jetzt müsst ihr so machen oder nicht so?
00:44:38: Diese Denken ist mir fremd, das finde ich peinlich ehrlich gesagt und ich finde wirklich... Aber
00:44:44: trotzdem ein bisschen selten in Ihrer Berufsgattung, oder?
00:44:47: Es ist möglich.
00:44:48: Aber es ist wichtig dass man visionäre Gedanken hat auch in der Schweiz und wir haben ja dieses Städtebarche Portre der Schweiz was aber eigentlich eher eine wahrnehmende Studie ist als eine behauptende.
00:45:03: Und da sind wir wieder bei dieser krativen Wahrnehmung.
00:45:07: manchmal ist das Wahrnehmen das genaue Hinschauen hat einen viel ... eruptiveren oder disruptiveren Charakter als wenn ich etwas implementiere von außen drauf schaue, weil das ist dann... Weil diese Ideologie die da eben dazu notwendig ist.
00:45:27: Die ist wie soll ich sagen?
00:45:30: Das ist dann wirklich eine Koste, die du am liebsten wieder entfernst, weil es wurde oben drauf gedrückt und häufig funktioniert es jetzt wie es dann abgelehnt.
00:45:44: Und das sehr wiederum sind wir bei der Schweiz, weil diese Prozesse so langsam sind, weil sie zum Teil unerträglich langsam sind und weil manchmal auch das Falsche rauskommt.
00:45:53: aber es hat sich so stark gesetzt dass dieser Voraussetzung eigentlich der Grund ist weshalb wir einen viel größeren eine viel, sag ich mal friedvollere Gesellschaft sind als viele andere Länder.
00:46:13: Vielleicht letzte Frage?
00:46:15: Es fällt einfach auf also Sie sind ein Mann, Le Corbusier war ein Mann.
00:46:20: die wichtigsten und berühmtesten Architekten sind eigentlich fast ausschließlich Männer.
00:46:25: Warum ist das eigentlich so?
00:46:27: Also es hat natürlich mit der Ausbildung zu tun und so.
00:46:29: aber klar... Das
00:46:29: ist eine gute Frage weil bei der Ausbildung sind es ja mehr Frauen ... die Architektur-Ausbildung machen.
00:46:38: Heute ja?
00:46:39: Ja, und ich habe lange Jahre in Harvard und an der ETH auch unterrichtet... ...und da sind wir mindestens so viele Frauen in Erinnerung geblieben wie Männer,... ...was das Talent angeht, was die Kreativität angeht usw.
00:46:58: Und es ist aber schon so, dass viel weniger Frauen dann im Beruf auch sich behaupten können.
00:47:07: Aber es gibt mittlerweile schon in der jüngeren Generation viele Frauen, die ihre Reputation haben und die ja auch wichtige Projekte machen.
00:47:16: Vielleicht ist das auch vielleicht interessant.
00:47:20: Meine Generation hat ja drei oder vier Leute hervorgebracht, die die wichtigsten Projekten der letzten zwanzig, dreißig Jahre machen konnten Und das ist vielleicht eine Generation, die es nie mehr gab.
00:47:32: Es sei vielleicht auch Renaissance.
00:47:34: Das hat nicht nur mit dem Talent zu tun.
00:47:36: Sicher sind das ausgewöhnlich orientierte Menschen in dieser Generation aber es hat auch mit dieser historischen Dimension zu tun bei der Zeit, wo du lebst, wo Frieden und Geld da ist, wo eine Bewegung wie die Moderne ausgelaufen ist.
00:47:59: Ganz schwierig, das wüsste man mal analysieren.
00:48:01: Was hat den Boden geebnet für dieses Aufkommen dieses experimentellen Denkens in unserem Falle?
00:48:08: Dieses konzeptionellen Denken, dieses ikonischen Denken... Das hat ja unglaublich sehr vorgebracht und das ist jetzt verschwunden!
00:48:18: Sie sagen ja, der starre Architekt ist vorbei?
00:48:20: Es ist
00:48:21: eigentlich grundsätzlich vorbei.
00:48:23: Es ist nicht nur in der Architekatur vorbei, es ist auch in der Kunst vorbei.
00:48:28: Ein Jeff Coons und Damon Hurst
00:48:29: usw.,
00:48:30: die Leute sich verboten haben mit ihren Talenten aber auch mit einer ausufernden und überborendenden Dekadenz.
00:48:39: Mit diesen Preisen... jenseits von gut und böse sind.
00:48:45: Das ist alles irgendwie aus den Foltern verschwunden, die Foltern selbst sind verschwundet.
00:48:50: Das heißt das was die Medial, die
00:48:53: Architektur
00:48:53: getragen hat, die Kunstgetragene... Das ist verschwinden!
00:48:57: Und das ist
00:48:59: aber auch
00:48:59: gut finde ich weil die Welt muss sich anderen Themen zuwenden.
00:49:07: Die Welt hat andere Fragen.
00:49:11: Und in dieser Welt, wo andere Fragen nun virulent sind, werden auch andere Akteure und Akteurinnen auftreten.
00:49:22: Aber das ist wirklich wie ein neues Themenfeld.
00:49:25: Was ist denn das Potenzial?
00:49:27: Wie wird dadurch die Architektur von den Autoren entfernt mehr hin zu einem... für gesellschafteten, freien gemeinschaftenden Produkt.
00:49:43: Das könnte ich mir vorstellen.
00:49:45: aber auch da gilt letztlich wenn es mehr sein soll wenn es eben auch den Menschen emotional berühren soll Wenn es Schönheit schaffen will dann brauchst du eine Autorenschaft.
00:50:00: Und das sind so ewige Konflikte und es sind auch interessante Themen, weil nicht soziale, dass nicht in der Gemeinschaft entstandete.
00:50:11: Dass Autoren getriebene, dass sogar egoistisch Getriebene Produkt ... wird letztlich den Unterschied machen.
00:50:22: Auch in einer Gesellschaft, die wie heute sich eher Fragen von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zuwenden
00:50:33: wird.
00:50:33: Keine letzte Frage.
00:50:35: Gibt es noch etwas was Sie sich wünschen für sich persönlich?
00:50:39: Nein ich finde einfach toll wenn ich möglichst lange mit guter Gesundheit an diesen Themen arbeiten kann.
00:50:49: Und es ist, wie das Gespräch zeigt auch interessant überhaupt, dass Architektur so als Vehikel zu betreiben für seine eigenen Gedanken.
00:51:00: Das ist es eigentlich vielleicht, was mich antreibt und weil wir ja wirklich mehr denn je in so vielen verschiedenen Ländern der Welt in aller allen möglichen Kontinenten tätig sind – auch wenn ich ungern reise, kriegst du natürlich sehr viele Dinge mit von anderen Gesellschaften, von anderen Denkformen.
00:51:23: Wir haben ja sehr viel in China gebaut und bauen nach wie vor sehr viele in China.
00:51:30: Hat es jetzt das,
00:51:32: dass Sie die ganze Welt gesehen haben oder fast die ganzen Welt?
00:51:35: Hat sie das eigentlich zu einem zuversichtlichen Menschen gemacht?
00:51:38: Eher als wenn ich nicht gereist werde!
00:51:40: Man sieht, wenn man viel reißt, sieht man eigentlich ganz klar, dass die Welt überall schön ist dass die Welt überall tolle Menschen hat und dass die welt überall Potenziale hat, die wir halt leider nicht nutzen.
00:51:56: Weil die Politik und weil die Macht letztlich den die Politik antreibt viele Dinge verhindert, sag ich mal so oder viele Türen wieder schließt.
00:52:07: Und aber trotzdem... Ich meine es gibt auch so viele Länder in diesen ehemaligen sowjetischen Provinzen wo es Kulturen gibt was Bauten gibt die sind von unfassbarer Schönheit.
00:52:20: Und das ist es, was mich letztlich auch positiv stimmt, dass es immer schon überall sehr viel Qualität gegeben hat – auch wenn der Fokus oder unser Blickwinkel so eurozentrisch und schweizerisch ist!
00:52:36: Danke lieber Erzog für das Gespräch.
00:52:39: Und Ihnen, die Behördeinnen und Behörder legen wir ein Abonnement der NCC am Sonntag ans Herz.
00:52:43: Auch wenn dieses
00:52:44: Gespräch für Sie gratis
00:52:46: war, guter Journalismus ist es nicht?
00:52:48: Im Zubank zu einem Abo mit
00:52:52: ca.
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